Erfreulicherweise vermehren sich E-Autos in Großstädten derzeit rasant. Auch wir haben seit ein paar Monaten ein E-Auto in unserem Fuhrpark. Bei den alltäglichen Strecken in der Stadt gab es noch keine Probleme, aber wie sieht es aus mit einer Fahrt zu einem Kundentermin in „the middle of nowhere“? Hier unser Praxistest:

 

Die Ausgangssituation

Strecke bis zum Kunden: ca. 250 km
Reichweite unserer Batterien: ca. 350 km (Bei Autobahnfahrten wahrscheinlich weniger)
Lademöglichkeit beim Kunden: keine
Lademöglichkeit beim Hotel: Schuko (ABER: Wir wissen nicht, ob wir über Nacht bleiben)

 

Die Routenplanung

Eines wird schnell klar. Einsteigen und losfahren kann man machen, wenn man den Zwischenlade-Stopp-Vorschlägen des Navis glaubt, es schadet aber auch nicht, sich vor der Reise mit der Route und den Lademöglichkeiten zu befassen. Gerade, wenn es die erste große Tour mit dem PKW ist. Außerdem gibt es viele verschiedene Ladesäulen-Anbieter mit unterschiedlichen Zahlungsmethoden. Auch hier ist es sinnvoll, sich vorher über die Lademöglichkeiten, Anbieter, Apps, Zahlungskarten, etc. zu informieren.
Unsere Recherche ergibt, dass es eine Schnell-Ladestation in der Nähe von unserer Autobahnabfahrt gibt, bevor wir Richtung „the middle of nowhere“ abbiegen. Diese ist ca. 180 km vom Start entfernt und ca. 70km vom Ziel. Wenn wir hier also genügend nachladen, kommen wir entspannt zum Ziel und wieder zurück zur Ladestation – zum Nachladen für den Heimweg. Praktischerweise liegt sie auf dem Parkplatz eines Schnellimbisses – die Ladepause wird also kulinarisch genutzt.

 

Die Tour

Morgens um 7:30 Uhr geht es im Hamburger Berufsverkehr los. Die Batterien sind voll und ein wenig Spannung liegt in der Luft. So schnurren wir dahin.

Im Stadtverkehr wird der Geräuschunterschied gegenüber einem Verbrenner-Motor schnell deutlich. Was uns allerdings auf der Autobahn auffällt ist, dass die meisten Geräusche bei höheren Geschwindigkeiten gar nicht durch den Motor, sondern durch den Wind kommen. Es ist zwar immer noch ein angenehmes Reisen, aber ganz geräuschlos ist es nicht.

 

Gegen 9:30 Uhr kommen wir bei unserer Schnellade-Zwischenstation an. Der erste Ladeversuch schlägt direkt fehl. Panik macht sich noch nicht breit. Es gibt zum Glück mehrere Säulen und alle sind frei. Die zweite Säule tut ihren Dienst und lädt unser Auto einwandfrei. Zeit für einen zweiten Kaffee im Schnellimbiss.
Wir haben ausgerechnet, dass eine Ladepause von ca. 30min reichen müsste – wir haben uns aber ein wenig verquatscht und so ist das Auto nach ca. 45min fast vollständig geladen, als es weitergeht. Erste Zwischenladung also ziemlich problemlos gemeistert.

 

Die anschließende Fahrt durch „the middle of nowhere“ bestätigt unsere vorherigen Sorgen: weit und breit keinerlei Lademöglichkeiten. Daumen drücken, dass wir richtig gerechnet haben und wieder zurück kommen. Ansonsten aber sehr schön hier – gerade für Städter. Wiesen, Felder, Landstraßen, kleine Dörfer, Hügel (oder wie wir Norddeutschen sagen würden: Berge).

 

Am Ziel angekommen – unserem Kundentermin – eine Überraschung auf dem Parkplatz: ein identischer „Zwillingsbruder“ unseres Autos. Gleiches Modell, gleiche Farbe, gleiche Felgen. Ob der andere Besitzer nachher wohl ins falsche Auto einsteigt? 😆

 

Nach einem langen Meetingtag, einer entspannten Nacht im Hotel (ohne Schuko-Zwischenladung) und einem weiteren Meeting-Vormittag, machen wir uns zurück auf den Weg in Richtung unseres Zwischenziels – der Schnell-Ladestation an der Autobahn.
Ganz automatisch gleicht man während der Fahrt die herunterlaufenden Restkilometer und die Restreichweite der Batterien ab. Sollte alles gut hinkommen.

 

Mittags kommen wir an unserer Schnell-Ladesäule an. Wir wissen ja zum Glück nun welche funktioniert und fahren direkt ran. Anschließen, Ladevorgang in der App starten, Strom läuft. Da die Batterien jetzt ziemlich leer sind, passt es ganz gut, dass wir die Mittags(zwangs)pause beim Schnellimbiss einlegen. Etwas über eine Stunde reicht, dass genügend Strom „getankt“ ist, damit wir wieder bis nach Hause kommen sollten.

 

Fahrerwechsel. Einsteigen. Ab auf die Autobahn.
So ein E-Auto bringt ja Beschleunigungswerte, die sich wirklich sehen lassen. Macht Spaß, die Autobahnauffahrt rauf zu knallen und auch den ein oder anderen PKW links zu überholen. Wie gut, dass hier lange die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgelöst ist.
Weiter vergleicht man die herunterlaufenden Restkilometer und die Restreichweite. Ups … Wenn wir weiterhin so schnell fahren, wird es wohl doch nichts mit dem Feierabendbier in der Agentur. Also, trotz aufgelöster Geschwindigkeitsbegrenzung, Tempomat: 130 km/h. Das ist für einen rasanten Fahrer echt gewöhnungsbedürftig… Aber es hilft. Bei reduzierter Geschwindigkeit halten die Batterien bis zur Agentur und unser kleiner Ausflug war ein voller Erfolg.

 

Das Fazit

Ein wenig Routenplanung schadet nicht, wenn man längere Strecken – inkl. Zwischenladungen – plant. Es gibt dafür aber genügend Apps und Websites, die hier sehr hilfreich sind.

Die Zwischenladungen dauern natürlich länger, als ein Tankvorgang. Man muss einfach ein wenig früher losfahren. Bei uns waren es ca. 45min früher, als „normal“. Wenn man die Pausen allerdings nutzt, um einen Kaffee zu trinken, gemeinsam das Meeting vorzubereiten, o.ä. dann vergehen sie ganz schnell und stören kaum.

Bei einem E-Auto fällt einem sehr deutlich auf, wie die Fahrweise, Zusatzverbraucher, etc. ganz direkte Auswirkungen auf die Reichweite haben. Klar weiß man das irgendwie, dass das bei einem Verbrenner-Motor nicht anders ist, aber bei einem Verbrenner-Motor ist es einem doch nicht so präsent. Man tankt halt nach, wenn der Tank leer ist. Es gibt ja auch überall Tankstellen. Dabei könnte dieses Bewusstsein bei uns allen doch relativ einfach zu einem kleinen Klimaschutz-Teil beitragen.
Wenn man sich also ein wenig mit der Strecke und den Lademöglichkeiten befasst, die Ladepausen sinnvoll nutz und es mit dem Verbrauch nicht übertreibt, sind auch lange Strecken sehr gut machbar.

Uns hat dieser erste Praxistest also überhaupt nicht abgeschreckt. Weiter geht´s elektrisch!